Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung am Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) der Hochschule Ludwigshafen.

Frau Prof. Rump, welche HR-Themen beschäftigen die Unternehmen zurzeit?

Der HR-Report, den wir gemeinsam mit dem Unternehmen Hays durchgeführt haben, zeigt, dass das Top-Thema aktuell die Mitarbeiterbindung ist. Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind offensichtlich in den Unternehmen angekommen. An zweiter Stelle steht die Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen, was an Themen wie Agilität und Digitalisierung anknüpft. An dritter Stelle nennen die Studienteilnehmer die Beschäftigungsfähigkeit. Dann kommt lange Zeit nichts. 

 

Gibt es innerhalb der Unternehmen Unterschiede in der Priorisierung der Themen? 

Ja, denn während den Geschäftsleitungen die Unternehmenskultur besonders wichtig ist, gefolgt von flexiblen Arbeitsstrukturen und Mitarbeiterbindung, haben die HR-Verantwortlichen eine andere Sicht. Sie legen zwar auch Wert auf die Mitarbeiterbindung, aber ebenso wichtig ist ihnen das Gewinnen von Mitarbeitern und deren Vorbereitung auf die digitale Transformation. Die letzten beiden Themen sehen aber weder die Geschäftsführer noch die fachlichen Vorgesetzten als wesentlich an. 

 

Was bedeuten diese Unterschiede für die Praxis? 

Wir reden hier über People-Themen, die HR unmittelbar betreffen. Scheinbar bekommt die HR-Abteilung ihre Sicht der Dinge aber nicht in Richtung Führungskräfte und Unternehmensleitung transportiert. Oder anders ausgedrückt: Die Unternehmensleitung und die Fachvorgesetzten nehmen HR nicht als Sparringspartner wahr. Ich würde den Personalern empfehlen, hier ein Stück weit mehr in die Bütt zu gehen.  

(aus Ausgabe 2/2018)