Doris Schweng

Doris Schweng, HR-Managerin, Schick Hotels

Sie bilden einen Flüchtling als Koch aus. Wie kam der Kontakt zustande?

Hassan hat sich bei uns beworben – und da sein Lebenslauf interessant gestaltet war, habe ich ihn eingeladen. Er sprach gut Deutsch und wollte unbedingt Koch lernen. Am Ende des Gespräches sagt er, es könnte ein Problem geben, da sein Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Aktuell sei er bei lobby.16 in der Betreuung, einer NGO, die minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Wien unterstützt. Dort hat er nach seiner Flucht aus Afghanistan den Hauptschulabschluss nachgemacht und Deutsch gelernt. Ich habe Kontakt zu seinen Betreuern aufgenommen und ihm ein zweiwöchiges Praktikum angeboten. Anschließend wollte ich ihm eine Lehrstelle ermöglichen. Aber das war nicht einfach.

Warum nicht?

Weil das AMS zunächst über ein Ersatzkraftverfahren feststellen musste, dass es keinen Bewerber aus Österreich oder anderen EU-Ländern für die Stelle gab. Das hat einen Monat gedauert. Wir haben dann aber den Zuschlag bekommen und ihn eingestellt. Uns war bewusst, dass er abgeschoben werden könnte. Aber wir wollten ihm die Chance geben, sich in Österreich zu integrieren. Und letztendlich kann auch ein Österreicher in der Probezeit abspringen. Sechs Monate später bekam Hassan einen positiven Asylbescheid.

Welche Erfahrungen können Sie anderen Unternehmen weitergeben?

Ich würde sie ermuntern, Bewerbungen von Flüchtlingen als Chance zu betrachten. Denn es gibt Lehrstellen, vor allem im Gastgewerbe, die für Österreicher nicht mehr so attraktiv sind. Ich habe schon Kontakt zur Caritas geknüpft und gesagt, sie sollen mir Bewerbungen von interessierten Flüchtlingen schicken. Ich bevorzuge niemanden. Mir geht es darum, dass jemand die Leidenschaft für den Beruf mitbringt. Da ist es egal, woher jemand kommt. Wir haben Mitarbeiter aus 21 Nationen bei uns. Menschen mit Migrationshintergrund zu beschäftigen, ist für uns ohnehin alltäglich.

(Aus Ausgabe 4 2016)