Bianca Flaschner

Bianca Flaschner, Senior Manager People and Organisation bei PwC Österreich

Frau Flaschner, wann wird sich die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen in Österreich schließen?

Nach unseren Berechnungen, die wir im „Women in Work Index 2017“ veröffentlicht haben, wird sich die Einkommensschere in Österreich im Jahr 2058 schließen. Dabei handelt es sich um einen Schätzwert auf Basis historischer Daten.

Das heißt, wenn sich nichts verändert, dauert es noch rund 31 Jahre?

Genau. Vielleicht zum Vergleich: Gemäß unserer Studie könnte sich die Gehaltslücke in den nächsten 20 Jahren in den Ländern Polen (in 2021), Luxemburg (in 2022), Belgien (in 2028), Irland (in 2032) und Griechenland (in 2033) schließen. Innerhalb der nächsten 50 Jahre könnte sich die Gehaltslücke in Ländern wie Großbritannien (2041), Israel (2046) und Österreich schließen. Es ist also noch ein weiter Weg.

Was können wir auf diesem Weg von anderen Ländern lernen?

Von den skandinavischen Ländern können wir sicherlich einiges lernen – zum Beispiel bezogen auf flexible Arbeitszeitmodelle und die Arbeitsteilung der Geschlechter. So ist es in Finnland selbstverständlich, dass sich Männer und Frauen die Betreuung der Kinder gerecht aufteilen. Förderlich für ein gleichmäßiger verteiltes Einkommen sind auch Initiativen der Frauenförderung. Wenn Unternehmen beispielsweise Frauen in Führungspositionen unterstützen oder ihnen die Rückkehr in den Beruf erleichtern, wirkt sich das positiv aus. Ein weiterer Aspekt betrifft neue Organisationsmodelle. Hier mutig zu sein und Organisationsformen zu wählen, die Beruf und Familie kompatibler machen, kann dazu beitragen, dass sich die Einkommensschere schneller schließt.

(Aus Ausgabe 3 2017)