Foto: Pelzmann © Andi Bruckner

Helen Pelzmann, Partnerin, EY Law, Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ in Österreich

Seit Anfang 2018 gilt in Österreich die Frauenquote für Aufsichtsräte. Welchen Aufholbedarf gibt es noch? 

Mit Inkrafttreten der gesetzlichen Frauenquote Anfang 2018 erfüllte erst jedes vierte im Wiener Börse Index notierte Unternehmen, das von der Regelung betroffen ist, die Quote. Im Umkehrschluss heißt das, dass 25 der 33 betroffenen Unternehmen bei der Neubestellung des Aufsichtsrats ihre Frauenquote erhöhen müssen. Bei gleich bleibender Zusammensetzung der Aufsichtsräte müssten bei der nächsten Bestellung rund 35 Posten von Männern zu Frauen wandern. 

Wie gut sind Frauen in den Vorstandsetagen der Unternehmen vertreten? 

Der Frauenanteil in Vorstandsetagen stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Mit Stand Ende Dezember 2017 gab es nur zehn weibliche Vorstandsmitglieder in den im WBI notierten Unternehmen, denen 179 männliche gegenüberstehen. Das ist gleichbedeutend mit einem Frauenanteil von nur 5,3 Prozent. Trotz eines leicht positiven Trends in den letzten Jahren sind Frauen in den obersten Entscheidungsgremien von Österreichs Top-Unternehmen nach wie vor die Ausnahme.

Was bringen Quotenregelungen aus Ihrer Sicht generell? 

Die Quote ist kein Allheilmittel, aber sie kann positive Effekte haben. Das zeigt Deutschland, wo die Frauenquote in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne mittlerweile knapp über 30 Prozent liegt. Die Quote verhilft Frauen zur Sichtbarkeit. Aufsichtsräte in Österreich sind trotz des seit beinahe sechs Jahren im Aktiengesetz verankerten Gebots, Diversität bei der Besetzung zu berücksichtigen, häufig homogen. Sowohl bei den Nominierungsvorschlägen als auch bei der Wahl scheinen Aufsichtsrat und Aktionäre immer wieder auf dieselben Personen aus ihrem vertrauten Netzwerk zurückzugreifen. Dort kommen Frauen häufig nicht vor. 

Interview: Bettina Geuenich