Josef Papousek

Josef Papousek, Geschäftsführer, Mercer Österreich

Wie ausgewogen ist die Altersstruktur der Unternehmen in Österreich?

Wir haben eine Blitzbefragung zur Vorbereitung auf unsere Fachtagung „Demografischer Wandel – Eine Arbeitswelt auch für Menschen ab 50“ durchgeführt, an der rund 60 Unternehmen aus Österreich teilgenommen haben. Das ist natürlich nicht repräsentativ, vermittelt aber eine Tendenz. Bei den teilnehmenden Unternehmen war die Altersstruktur nicht ausgewogen und der Anteil der Arbeitnehmer über 45 recht hoch. Entsprechend erwarten die befragten Unternehmen durch den demografischen Wandel einen steigenden Fach- und Führungskräftemangel sowie Know-how-Verlust.

Ist das Alter eines Bewerbers ein Einstellungskriterium?

Ja, denn nur drei Prozent der befragten Unternehmen suchen gezielt Menschen, die älter sind als 45 Jahre. Über ein Drittel ist bei der Suche auf jüngere Fachkräfte fixiert. Danach ist Alter definitiv ein Einstellungskriterium – und es scheint so zu sein, dass viele Unternehmen lieber jüngere einstellen und dabei Erfahrungsverluste in Kauf nehmen.

Wie sinnvoll und nachhaltig sind Förderprogramme wie die Jobaktion 20.000?

Ich finde die Jobaktion 20.000 ganz, ganz sinnvoll und auch vorbildlich, wenngleich sie nur eine relativ geringe Anzahl an Jobs beinhaltet. Nichtsdestotrotz ist sie ein Beginn – und zwar ein ziemlich guter. Ich bin überzeugt, dass wir über solche Initiativen in Österreich nachhaltig etwas verändern können. Das funktioniert aber nicht allein über diese Art von Initiativen. Wir müssen vor allem in den Unternehmen das Bewusstsein dafür schaffen, dass Menschen ab 45 noch aktiv sind und meist auch noch lange arbeiten wollen.

(Aus Ausgabe 6 2017)