Peter Heimerl und Oliver Loisel
|
Ursula Vierlinger Geschäftsführerin eDaktik ursula.vierlinger@edaktik.at |
Was sind Fallstudien und wozu sind sie gut? Ist Fallstudie gleich Fallstudie oder gibt es Unterschiede? Warum kann man mit Fallstudien erfolgreich lernen und wie geeignet ist diese Lernform für die Aus- und Weiterbildung von Managern im Bereich der Organisations- und Personalentwicklung? Diesen und zahlreichen weiteren Fragen gehen Peter Heimerl und Oliver Loisel in ihrem Buch „Lernen mit Fallstudien in der Organisations- und Personalentwicklung“ auf den Grund.
Die Fallstudie als komplexe und vielseitige Lehr- und Lernmethode ist Gegenstand dieses Werks, das sich primär an Lehrende und Lernende in der Management-Aus- und Weiterbildung wendet. Das Buch ist ein gelungener Mix aus theoretischer Grundlagenvermittlung und praktischer Arbeitsunterlage für Lehrende, speziell im Bereich Organisations- und Personalentwicklung.
Der Aufbau spricht speziell durch seine klare Struktur und Übersichtlichkeit an. Der Leser bekommt einen Überblick über theoretische Grundlagen und Denkweisen, ohne sich durch hochkomplexe theoretische Exkurse kämpfen zu müssen.
Das Buch behandelt sehr fundiert den praktischen Einsatz von Fallstudien und liefert Lehrenden und Lernenden über weite Teile Anregungen, wie sie mit Fallstudien sinnvoll arbeiten können. Mit ihrem unkomplizierten Schreibstil und übersichtlichen grafischen Darstellungen veranschaulichen die Autoren auf verständliche Weise komplexe Themenbereiche.
Das Buch gliedert sich in zwei grobe Schwerpunkte. Im ersten behandelt es Möglichkeiten und Grenzen der Fallstudiendidaktik in der Aus- und Weiterbildung. Dabei gehen die Autoren gezielt auf die Differenzierung und Einsatzmöglichkeiten von Fallstudien ein. Sie charakterisieren unterschiedliche Arten von Fallstudien und deren Anwendbarkeit auf verschiedene Bereiche und Lernsituationen.
30 Fallstudien aus den Bereichen der Organisations- und Personalentwicklung machen aus dem Buch eine praktische Arbeitsunterlage, die nicht, wenn erst einmal gelesen, im Bücherregal verschwindet, sondern ein sehr brauchbares Instrument für den handlungsorientierten Unterricht darstellt. Zehn dieser Fallstudien beinhalten teils umfangreiche Lösungsvorschläge, mit deren Hilfe der Leser das Lösen von Fällen erlernen oder verfestigen kann. Eine nützliche Ergänzung zu den Fallstudien ist der umfangreiche Glossar mit detaillierten Begriffsdefinitionen.
Fazit: Das Buch bietet Lehrenden und Lernenden einen einfachen Zugang zur Fallstudie als einer handlungsorientierten und aktiven Lernform und kann als praktisches Werkzeug für den effizienten Einsatz von Fallstudien empfohlen werden.
| Praktischer Nutzwert: | **** |
| Lesbarkeit / Schreibstil: | *** |
| Verständlichkeit: | *** |
| Gliederung / Übersichtlichkeit: | ***** |
| Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: | ** |
|
Manfred Bauer Head of Human Resources Knorr-Bremse GmbH, Division IFE manfred_bauer@ife-doors.com |
Das Thema Fallstudien stellt prinzipiell eine praxisnahe Alternative beziehungsweise Ergänzung zur klassischen Wissensvermittlung via Frontalunterricht und Gruppenarbeit dar. Die Autoren beurteilen das vorgestellte Lerninstrument äußerst sachlich und wägen Vor- und Nachteile gut ab. Ein Bezug auf die Einsetzbarkeit im Personalmanagement fehlt allerdings, da sich der Denkansatz auf die wissenschaftliche Lehre bezieht.
Empfehlenswert ist das Buch, neben der bereits angesprochenen Zielgruppe, vor allem für Studenten von postgradualen Lehrgängen, da sowohl die Fallstudien als auch die Lösungsansätze wertvolle Inputs für Hausarbeiten und Klausuren liefern. Diese Zielgruppe verfügt auch über die nötige Wissensbasis, um die Studien wissenschaftlich fundiert zu behandeln. Sehr gut ist auch die Gliederung des Buches, von der grundsätzlichen Betrachtung über den systematischen Aufbau bis zu den Beispielstudien mit Lösungsvorschlägen und Glossar.
Der Background der Autoren im postgradualen Ausbildungssektor zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk – als MBA-Student ist der Aufbau für mich schlüssig, für Leser ohne entsprechende Berührungspunkte ist vor allem der Nutzwert der Fallstudien und deren Lösungsvorschläge fraglich. Als ideale Zielgruppe für dieses Buch sehe ich – neben den oben angeführten – vor allem Lehrende an Universitäten und Fachhochschulen, auch im postgradualen Bereich. Ein Gefahrenpotenzial stellt sich meines Erachtens bei „Autodidakten“ dar, da bei fehlender didaktischer Begleitung „eingelerntes“ Fehlverhalten in die Studien einfließen kann.
Für die mögliche Zielgruppe „Personalmanagement“ muss man wohl zwischen Wunschdenken und Realität unterscheiden: Ich denke, jeder HR-Manager würde es schätzen, Fallstudien als Weiterbildungstools einsetzen zu können. In der Realität scheitert dieses Ansinnen aber wohl an den mangelnden Ressourcen, um aufgabenspezifische Studien entwickeln, begleiten und beurteilen zu können. Als praktischen Nutzwert sehe ich die Möglichkeit, eventuell vorhandene externe Bildungsangebote für Fallstudien mittels der Informationen aus diesem Buch besser evaluieren zu können. Auf jeden Fall regt diese Buch an, über den Einsatz von Fallstudien abseits der akademischen Ausbildung intensiv nachzudenken und praktikable Tools zu entwickeln – der Praxisvorteil gegenüber klassischer Bildungstools ist gerade für komplexe Fragestellungen enorm.
Als Fazit kann man dem Buch hohen Praxiswert im Umfeld der wissenschaftlichen Lehre, sowohl für Lehrende als auch für Studenten, attestieren. Der Nutzwert für das HR-Management beschränkt sich notgedrungen auf einen Denkanstoß, Fallstudien zumindest bei der Auswahl externer Trainer als attraktives Leistungsmerkmal zu berücksichtigen. Ansonsten bleibt immer noch der Ansporn, die Fallstudien als Leser für sich zu bearbeiten!
| Praktischer Nutzwert: | ** |
| Lesbarkeit / Schreibstil: | **** |
| Verständlichkeit: | **** |
| Gliederung / Übersichtlichkeit: | ***** |
| Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: | ** |