Patrick Lencioni
|
Evelin Mayr Director Human Resources S&T AG evelin.mayr@snt.at |
„Es liegt nicht an den Finanzen. Auch nicht an der Strategie. Und auch nicht an der Technologie. Der wahre Schlüssel zum Erfolg liegt in der Teamarbeit.“ Mit diesen kurzen wie prägnanten Sätzen beginnt der Gründer und Leiter des kalifornischen Beratungsunternehmens „The Table Group“, Patrick Lencioni, sein jüngstes Buch.
Welcher Personalist würde hier nicht zustimmend nicken und wer, egal ob Finanzer, Stratege, Technologe oder eben HR-Manager, würde nicht monieren, Teamwork schon immer als den wahren Schlüssel zum Erfolg gesehen zu haben. Jeder spricht darüber! Und dennoch ist gute Teamarbeit nach wie vor keine Selbstverständlichkeit.
Lencioni zeigt anhand einer locker geschriebenen Geschichte die Mühen einer neu bestellten Geschäftsführerin, deren Ziel es ist, das fiktive Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Um dies zu erreichen, formt sie aus einem schwachen Team, einer Gruppe von Einzelkämpfern, ein eingeschworenes, effektives Führungsteam. Die so genannten fünf „Krankheiten“ – fehlendes Vertrauen, Angst vor Konflikten, Unverbindlichkeit, Verantwortung ablehnen, Desinteresse an Ergebnissen – und deren mögliche „Heilung“ werden vom Autor in die reale Arbeitswelt übertragen und anschaulich dargestellt. Die Erzählung – sie nimmt von insgesamt 237 immerhin 193 Seiten ein - ist interessant und spannend zu lesen; sie ist aus dem Leben gegriffen und daher auch leicht nachvollziehbar; die einzelnen Charaktere sind vielfältig und werden nach ihren Begabungen analysiert, um schließlich zu einem funktionierenden und effizienten Team zusammengeschmiedet zu werden.
Der anschließende Sachbuchteil geht –nun analytisch – nochmals auf die fünf diagnostizierten „Krankheiten“ ein. Er bietet einen Fragebogen an, mit dessen Hilfe die Leserinnen und Leser feststellen können, ob sich die fünf Krankheiten bereits im eigenen Team eingeschlichen haben. Der Autor gibt für jedes Leiden Therapievorschläge. Diese sind nicht unbedingt neu, sie aber dennoch immer wieder in Erinnerung zu rufen und gegebenenfalls zur „Heilung“ einzusetzen, ist jedenfalls zielführend.
Der besondere Charme dieses in den USAmittlerweile zum Bestseller avancierten Buches liegt in der Verschränkung einer auch für Laien spannenden Fallgeschichte und dem daraus ableitbaren, kurzen und prägnanten Sachbuchteil als Rezeptur für Schwachstellen.
Personalisten werden nicht wirklich Neues finden, außer einem: die Bestätigung der Wichtigkeit ihres Bestrebens, ein wirklich gutes Teams zu bilden.
| Praktischer Nutzwert: | *** |
| Lesbarkeit / Schreibstil: | ***** |
| Verständlichkeit: | ***** |
| Gliederung / Übersichtlichkeit: | **** |
| Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: | *** |
|
Gerhard Feimer Director Human Resources Telekabel Wien Ges.m.b.H. gerhard.feimer@upc.at |
Das Hightechunternehmen VirTech verfügt über mehr Geld, die erfahreneren Führungskräfte, die moderneren Technologien und die besseren Beziehungen als seine Mitbewerber. Dennoch hinkt VirTech sowohl bei den Umsatz- als auch den Kundenzuwachszahlen der Konkurrenz hinterher.
Dies ist die Ausgangssituation in Patrick Lencionis Buch „Mein Traum-Team“, einer Mischung aus Wirtschaftsroman und Sachbuch. Die Protagonistin des Romanteiles, Brigitte Petersen, muss als neue Leiterin des Unternehmens das Problem analysieren und lösen. Sie erkennt, dass ihre oberste Führungsmannschaft kein Team ist und folglich auch nicht als solches, sondern kontraproduktiv arbeitet. Es leidet an den fünf Teamkrankheiten:
1. Fehlendes Vertrauen
2. Angst vor Konflikten
3. Unverbindlichkeit
4. Ablehnung von Verantwortung und
5. Desinteresse an Ergebnissen.
Im Lauf der Geschichte arbeitet Brigitte diese mit ihren Führungskräften auf. Nach einigen Machtproben, Rückschlägen, aber auch notwendigen personellen Konsequenzen gelingt es ihr, ein echtes Team zu etablieren, das VirTech auf Erfolgskurs zurückbringt.
Im zweiten (Sachbuch-)Teil seines Buches gibt Lencioni einen Überblick über die fünf Teamkrankheiten, ihre Merkmale und Übungen zur Bekämpfung. Auch einen kurzen Fragebogen zu einer ersten Standortbestimmung des eigenen Teams fügt er bei.
Lencionis Theorie der fünf Krankheiten stützt sich auf persönliche Beobachtungen von Führungskräften und ihren Teams. Die fünf Krankheiten oder das menschliche Fehlverhalten stehen in Wechselwirkung zueinander. Schon das Vorhandensein einer einzigen Krankheit kann den Erfolg eines Teams vereiteln.
Wesentlich erscheint mir Lencionis eindeutige Aussage, dass die Mitglieder des Managementteams in erster Linie diesem gegenüber loyal sein müssen – und nicht ihrem eigenen Bereich gegenüber.
Die Botschaften von Lencionis Buches kommen an – und man selbst nicht umhin, im Rahmen der Geschichte auch das eine oder andere Déjà-vu zu erleben. Interessant sind auch die im Rahmen des Romanteils geschilderten, unterschiedlichen Führungssituationen und Charaktere.
Da stört es den Leser (zumindest mich) wenig, dass Lenconis Erzählstil manchmal dann doch zu plakativ und reißerisch wird. Etwas fragwürdig erschienen mir lediglich die von Brigitte Petersen gleichzeitig und scheinbar problemlos wahrnehmbaren Rollen als Vorgesetzte und Moderatorin des Teambildungsprozesses.
Fazit:
Ein aussagestarkes, kurzweiliges und in nur zwei Stunden lesbares Buch, das sicherlich nicht nur für Führungskräfte interessant ist. Die manchmal vereinfacht-plakativen Schilderungen werden durch die Aussagen selbst und den hohen Unterhaltungswert des Buches mehr als wettgemacht. Kein Wunder, dass dieses Werk seit dem ersten Erscheinen 2002 in den USA auf den obersten Plätzen der Bestsellerlisten zu finden ist.
| Praktischer Nutzwert: | **** |
| Lesbarkeit / Schreibstil: | **** |
| Verständlichkeit: | ***** |
| Gliederung / Übersichtlichkeit: | ***** |
| Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: | **** |