in heft 5/2008 für sie gelesen:


Lorenz Klöti

Personalrisiken

Qualitative und quantitative Ansätze für das Management von Personalrisiken
248 Seiten
32 Euro
ISBN: 978-3-258-07319-4
Verlag: www.haupt.ch


Rezensionen:



Susanne Richter

Human Resource Manager
Rexam Beverage Can Enzesfeld GmbH
Susanne.Richter@rexam.com

Lorenz Klöti führt seine Leser auf leicht verständliche und gut strukturierte Weise in die Welt der Unternehmens- und Personalrisiken ein. Seine Dissertation defi niert Personalrisiken als Teil der operationellen Risiken, die neben den Kredit- und Marktrisiken einen wichtigen und sehr aktuellen Baustein der Unternehmensrisiken darstellen. Unter die Personalrisiken fallen Delikt-, Austritts-, Motivations-, Engpass- und Anpassungsrisiken. Im Fokus des Human Resource Managements stehen meist die Engpass- und Anpassungsrisiken – also die Gefahr, zu wenig Mitarbeiter zu haben oder diese falsch zu qualifi zieren. Das Deliktrisiko findet in der tagtäglichen Personalarbeit oft weniger Beachtung. Gleiches gilt für das Motivationsrisiko, da es sich schwer bemessen lässt.

Klöti macht eindrucksvoll deutlich, welche Konsequenzen drohen können, wenn Unternehmen Personalrisiken zur Seite schieben. Sein Buch zielt zum einen darauf ab, ein Grundverständnis für das Problem zu wecken. Zum anderen gibt er Unternehmern und Personalverantwortlichen ein Rüstzeug an die Hand, das ihnen hilft, mitarbeiterbezogene Risiken aufzudecken. Der Autor ist selbst bei der Zürcher Kantonalbank tätig. Daher legt er den Fokus seines Buches auf Personalrisiken in Schweizer Banken. Die ersten beiden Kapitel geben einen Überblick über die Theorien der Risikobewertung. Klöti führt, gespickt mit Zitaten, gängige Forschungsmeinungen und Ansätze zusammen, die der Leser auf das eigene Unternehmen anpassen kann.

Die weiteren Kapitel beleuchten die einzelnen Personalrisiken genauer und beschreiben, wie Unternehmen eine Personalrisikopolitik aufbauen können. Die Gefahrenanalyse kann qualitativ oder quantitativ erfolgen. In seiner Dissertation geht Klöti ausführlich auf das Selfassessment einer Organisationseinheit der Zürcher Kantonalbank ein, das auf dem qualitativen Ansatz basiert. Die „Zurich Hazard Analysis (ZHA) Methode“ lässt sich nicht nur in der Personalrisikobewertung, sondern auch in anderen Entscheidungsbereichen gut einsetzen. Mithilfe einer Personalverlustdatenbank lassen sich verschiedene Bewertungen in Zusammenhang bringen. Klöti beschreibt, wie Unternehmen ein Risikodatawarehouse aufbauen sollten und welche Anforderungen an die Daten bestehen.

Der Autor bietet einen Überblick über Theorien, Berechnungsmodelle und Definitionen, nennt aber kaum Praxisbeispiele aus anderen Unternehmen und Ländern. Auch eigene Interpretationen kommen zu kurz. Vor allem Firmen aus Wirtschaftszweigen, in denen es seit längerem Usus ist, die Risiken und Kosten präzise zu bewerten und auch dementsprechend zu handeln, kann diese Dissertation jedoch zusätzliche Messwerte sowie Kenndaten für die Bewertung der Personalrisiken an die Hand geben. Besonders in Zeiten, in denen qualifiziertes Fachpersonal ein stark umworbener Wirtschaftsfaktor geworden ist, gibt dieses Buch Anregungen für das Personalrisikomanagement im eigenen Unternehmen.


Praktischer Nutzwert: ***
Lesbarkeit / Schreibstil: ****
Verständlichkeit: ****
Gliederung / Übersichtlichkeit: ****
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: ***



Harald Schörg

Personalmanagement
Rail Cargo Austria AG
harald.schoerg@railcargo.at

„Risiken sind die Bugwelle des Erfolgs. Nur wer stehen bleiben will, geht kein Risiko ein. Ein Schiff oder Boot, das nur im Hafen liegt, bringt dem Reeder oder Fischer nichts ein. Man muss sich den Risiken des Meeres (Wind und Wellen) aussetzen. Und man sollte die Risiken steuern und Klippen umschiffen.“

Mit dieser Beschreibung erklärt Lorenz Klöti treffend den Titel seines Buches. Dass Klöti hier in Zeiten des permanenten Wandels ein äußerst sensibles Thema des Human Resource-Managements anspricht, bestätigt jeder Personalist sicherlich nur gerne. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Personalrisiken von Schweizer Banken. Anhand von deren Prozessstruktur erörtert der Autor die verschiedenen Arten der Risikoformen mit einem Fokus auf Personalrisiken. Der dreiteilige Aufbau des Buches führt den Leser von theoretischem Wissen bis hin zu qualitativen und quantitativen Beispielen.

Indem er Tools wie Selfassessment und Verlustdatenbanken beschreibt, versucht Klöti, das relativ komplexe Thema informativ und sehr detailliert zu vermitteln. Dabei geht er insbesondere der Frage nach, welche Anforderungen der Aufbau einer Verlustdatenbank von Personalrisiken an ein Unternehmen stellt und welche Auswertungsmöglichkeiten eine solche Datenbank bietet. Ergänzt werden diese Beschreibungen durch grafische Abbildungen und Tabellen, die für das Gesamtverständnis sehr hilfreich sind.

Als besonders wesentlich bezeichnet Lorenz Klöti den direkten Einfluss der Unternehmensstrategie auf das Personalrisiko und die damit verbundenen unmittelbaren Auswirkungen auf ein integriertes Gesamtrisikomanagement. Im anschließenden Ausblick betont der Autor noch einmal die Brisanz dieses Zukunftsthemas. Aus Sicht des Autors wird das richtige „Managen“ der Personalrisiken eine rasante Entwicklung erleben. Es ist zu erwarten, dass sich in den nächsten Jahren Best Practices herausbilden und die Verbreitung sowie Akzeptanz einzelner Methoden sukzessive zunimmt. „Added value wird durch einen ganzheitlichen Ansatz erreicht, der die Personalrisiken abzuschätzen und zu steuern erlaubt. Hier wird sich die wahre Qualität der Personalarbeit zeigen.“ Dieser Einschätzung von Herrn Klöti kann ich nur beipflichten.

Fazit: Lorenz Klöti hat sich in diesem Buch mit einem Thema des Personalmanagements auseinandergesetzt, das auf Seiten der Personalverantwortlichen die Sensorik für die Kostenthematik neuerlich wachrütteln muss. Teilweise sehr wissenschaftlich – und am Beispiel einer konkreten Branche beschrieben – bietet dieses Werk dem Leser durchaus interessante Methoden und Beispiele, die dazu einladen, die eigenen Prozesse zu reflektieren.


Praktischer Nutzwert: **
Lesbarkeit / Schreibstil: ***
Verständlichkeit: ****
Gliederung / Übersichtlichkeit: ****
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: **