Personal Manager - Zeitschrift für Human Resources
Personal Manager - Zeitschrift für Human Resources Druckversion

in heft 6/2006 für sie gelesen:


Hrsg. von Jutta Rump, Thomas Sattelberger und Heinz Fischer

Employability Management

Grundlagen, Konzepte, Perspektiven
224 Seiten
36 Euro
ISBN: 3-8349-0118-0
Verlag: http://www.gabler.de


Rezensionen:



Karin Rothbauer

Training und Beratung
Banken Kolleg - Management und Akademie
karin.rothbauer@bankenkolleg.at

In einer sich immer rascher ändernden Arbeitswelt können nur Arbeitnehmer bestehen, die bereit sind, sich den stets neuen Arbeitsbedingungen anzupassen. Diese Erkenntnis stellt die Basis des Buches „Employability Management – Grundlagen, Konzepte, Perspektiven“ dar. Wie aktuelle Wirtschaftsdaten belegen, können weder Matura noch Studium als ausreichende Voraussetzung für einen sicheren Job gelten. Qualifizierte Zusatzausbildungen gewinnen somit an Bedeutung. Es ist Aufgabe der Arbeitnehmer, ihr Wissen und ihre Kompetenzen laufend aufzufrischen; denn nur so verlieren sie nicht den Anschluss und bleiben beschäftigungsfähig.

Der Sammelband „Employability Management – Grundlagen, Konzepte, Perspektiven“ gibt einen Eindruck davon, wie Unternehmen, Schulen, Vorgesetzte, aber auch die Arbeitnehmer selbst Beschäftigungsfähigkeit fördern können. Es wird schnell deutlich, dass Employability sehr viele Aspekte beinhaltet und je nach Perspektive auf verschiedene Arten definiert werden kann. Interessant ist, dass der Band das Thema nicht nur aus Sicht einer Position beleuchtet, sondern mit Blick auf unterschiedliche Handlungsfeldern diskutiert. Er spricht Arbeitnehmer und -geber zugleich an, beschreibt Führungs- und Karrieremodelle sowie Entlohnungsformen und deren Einsatzmöglichkeiten.

Namhafte Experten aus Forschung und Praxis haben Fachartikel beigesteuert, darunter das Herausgeberteam Jutta Rump (FH Ludwigshafen), Thomas Sattelberger (Continental AG) und Heinz Fischer (FH Pforzheim). Alle drei sind Vorstandsmitglieder der Selbst-GmbH, einer Initiative von Personalexperten aus dem deutschsprachigen Raum, die das Thema Employability gemeinsam voranbringen wollen. Die Grundlagen des Employability Managements beschreibt Jutta Rump in einem einleitenden Fachartikel. Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit praxisnahen Themenbereichen. So beschreiben Jutta Rump und Silke Eilers (ebenfalls FH Ludwigshafen) in einem gemeinsamen Beitrag die zentralen Handlungsfelder des Employability Managements in Unternehmen – insbesondere Personalentwicklung, Gesundheitsförderung, Arbeitsplatzgestaltung und -zeitmanagement. „Alle müssen dafür arbeiten, morgen gebraucht zu werden“, schreibt Heinz Fischer. In einer Zeit, in der befristete Anstellungsverträge, Projektaufträge, Teilzeit- und Telearbeit zum Normalfall werden, entwickle sich der Arbeitnehmer zum „Selbstunternehmer“.

Den Autoren ist es gelungen Theorie und Anwendung problemlos zu verbinden. Einerseits geben sie Ratschläge an Mitarbeiter, andererseits motivieren sie Führungskräfte, Employability zu fördern. Sie skizzieren, was Employability in der Arbeitswelt bedeutet und stellen sehr facettenreich den Zusammenhang zwischen Beschäftigungsfähigkeit und Zufriedenheit beziehungsweise Arbeitsmotivation dar.

Der Band „Employability Management“ ist durchgängig in einer leicht verständlichen Sprache verfasst, die auch ohne personalwirtschaftliche Vorkenntnisse gut zu verstehen ist. Die einzelnen Kapitel sind gut strukturiert und übersichtlich gestaltet. Eine Vielzahl von Tabellen und Grafiken verdeutlicht die beschriebenen Zusammenhänge. Wesentliche Inhalte werden durch zusätzlich durch das Schriftbild hervorgehoben. Fazit: Das Buch stellt das Thema Beschäftigungsfähigkeit sehr ausführlich in seiner ganzen Komplexität dar.


Praktischer Nutzwert: ***
Lesbarkeit / Schreibstil: ****
Verständlichkeit: *****
Gliederung / Übersichtlichkeit: ****
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: ***



Bernd Simon

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wirtschaftsuniversität Wien - Institut für Informationssysteme und Neue Medien
bernd.simon@wu-wien.ac.at

Sie müssen als Personalverantwortlicher einen großen Stellenabbau durchführen und suchen nach Konzepten, um die Beschäftigungsfähigkeit der betroffenen Belegschaft zu erhöhen. In diesem Fall wird die Lektüre Ihre Erwartung kaum erfüllt. Jedoch bietet sie eine Vielzahl interessanter Aussagen, die zum Nachdenken anregen.

In Zeiten, in denen Konzerne trotz hoher Gewinne den Personalstand reduzieren und sich die Anzahl Beschäftigungsloser trotz Wirtschaftswachstum seit Jahren auf hohem Niveau bewegt, ist das Thema Beschäftigungsfähigkeit höchst relevant. Im ersten und umfangreichsten Beitrag des Buchs wird Employability „als die Fähigkeit, fachliche, soziale und methodische Kompetenzen unter sich wandelnden Rahmenbedingung zielgerichtet und eigenverantwortlich anzupassen und einzusetzen, um eine Beschäftigung zu erlangen oder zu erhalten“ definiert.

Die Definition zeigt, dass beim Management von Employability vor allem das Individuum selbst gefragt ist. Die Autorinnen Jutta Rump und Silke Eilers identifizieren Schlüsselkompetenzen wie Initiative, Eigenverantwortung, unternehmerisches Denken, Engagement, Team- und Kommunikationsfähigkeit, Lernbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit, Konfliktfähigkeit, Veränderungsbereitschaft, Reflexionsfähigkeit.

Welche Rolle kann jedoch die Unternehmung im Employability Management spielen? Die Autorinnen nennen acht erfolgskritische Handlungsfelder: Controlling, Vergütung, Karrieremodelle, Personalentwicklung, Organisation, Führung, Unternehmenskultur und Gesundheitsförderung.

Die folgenden acht Beiträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Den Herausgebern ist es gelungen, die Problemstellung mit einer multidisziplinären Gruppe von Autorinnen und Autoren zu bearbeiten. So wird das Thema sowohl durch die soziologisch-philosophische („Das Menschenbild in der Ökonomie“) als auch durch die schulpädagogische Brille („Employability und Schulen“) betrachtet. In den Artikeln wird der Begriff oft anders als oben angeführt definiert und teilweise auch kontrovers diskutiert.

Dazu gesellen sich Beiträge von Praktikerinnen und Praktikern aus dem Personalbereich, die Employability (Management) zum Beispiel als „fit für die Zukunft (machen)“ definieren (Ralf Brümmer/Christine Szogas) und sich damit den klassischen Aufgaben der Personalentwicklung nähern. Der erfrischende Beitrag von Heinz Fischer („Wenn nicht ich, wer dann?“) verknüpft den Employability-Begriff mit dem Konzept des Einzelunternehmens und zeichnet ein Wirtschaftsbild von vernetzten Einzelunternehmen („Selbst-Ges.m.b.H.), in dem die Employability die Arbeitsplatzsicherheit ersetzt.

Das Buch ist vor allem aufgrund der Aktualität des Themas eine interessante Lektüre. Teilweise wirkt die Aneinanderreihung von Aussagen – sowohl innerhalb der Beiträge, als auch was die Reihenfolge der Beiträge betrifft – für den Leser jedoch willkürlich. Die Herausgeber haben es geschafft, viele Aspekte im Buch aufzugreifen. Jedoch erfordern Themen wie Kompetenzentwicklung, Lernbedarfsmanagement oder das Erlangen von Sprachkompetenz in Lerngruppen mit heterogenen Vorraussetzungen eine tiefere Behandlung, als es im Rahmen der breit angelegten Lektüre möglich ist.


Praktischer Nutzwert: **
Lesbarkeit / Schreibstil: ****
Verständlichkeit: ***
Gliederung / Übersichtlichkeit: ***
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche: **